| Einsatz für vermisste Menschen

Lemgo (aq). Lassie, Snoopy, Benji und Co: Hunde sind die besten Freunde
des Menschen. Heißt es. Ob Wach- oder Hirtenhund, Schmuseobjekt
oder Kinderfreund als Haustier ist der Vierbeiner einfach unbezahlbar.
Einen besonderen Hund hat die Lemgoerin Bettina Diestelmeyer. Donald ist
ein Suchhund, der vermisste Personen findet.
Die LZ stattete der Sparkassenangestellten und ihrem Donald einen Besuch
ab. Laut bellend läuft die Airdale-Mischling zwischen Wohnungstür
und seinem Frauchen hin und her. Auch Kelpie Kappa fiept aufgeregt, als
sich Diestelmeyers Freundin Corinna van Löchtern in die rote Rettungsjacke
hüllt und zur Leine greift. Für die beiden Hunde ist die grelle
Kleidung das Signal zum Aufbruch.
Doch was für andere Vierbeiner Gassi gehen bedeutet, ist für
Kappa und Donald hartes Training: die beiden Tiere sind in der Ausbildung
zum Rettungshund. Während der fünfjährige Donald demnächst
zu Sucheinsätzen herangezogen wird, muss Kappa mit seinen 12 Monaten
noch mindestens eineinhalb Jahre warten. "Geprüft werden Hunde
nach 18 Monaten Ausbildung, doch wenn sie so jung sind, fehlen ihnen Ernsthaftigkeit
und Reife für die Suche", so Bettina Diestelmeyer.
Seit gut dreieinhalb Jahren fährt sie zusammen mit Corinna van Löchtern
und den beiden Hunden zweimal die Woche in die Senne und nach Marienfeld.
Dort befinden sich die großen Trainingsplätze der Hunde-Rettungsstaffel
Lippe-Ems. In Deutschland gibt es 53 solcher Staffeln, die
dem Bundesverband der Rettungshunde (BRH) unterstellt sind.
Ihre Aufgabe ist es, Vermisste zu suchen. Dabei kann es sich um Kinder,
geistig Verwirrte aus Altenheimen, Suizidgefährdete oder Schockopfer
handeln. Das Training ist aufgeteilt in zwei Bereiche, die Flächensuche
und die Trümmersuche. Freie Fläche, das bedeutet: in Feldern,
Wiesen und Waldgebieten. Die Trümmersuche umfasst eingestürzte
Gebäude, Tunnel und Stollen, aber auch Wracks abgestürzter Flugzeuge
und verunglückter Züge. Um effektiv üben zu können,
sind hin und wieder Landschaftsveränderungen nötig. "Wir
suchen deshalb Hände ringend nach Waldbesitzern, die uns ihren Besitz
mal zur Verfügung stellen", so Diestelmeyer.
Im Fall einer vermissten Person werden Retter und Hunde von der Polizei
alarmiert, wie vor kurzem, als eine Frau nach stundenlanger Suche unterkühlt
im Wald gefunden wurde. Die Anzahl der Einsatzkräfte hängt von
der Größe des in Frage kommenden Gebietes ab. In der Regel
durchsucht ein Retter-Hund-Gespann eine Fläche von 60000 bis 80000
Quadratmetern. Im Gegensatz zu den Polizeihunden laufen die Rettungshunde
dabei frei herum, sie sind jedoch mit Blinkis und Glöckchen ausgestattet,
so dass sie vor allem während einer Nachtsuche gut wahrzunehmen sind.
Ausgerüstet sind die Retter während eines Einsatzes mit Landkarte,
Kompass, Erste-Hilfe-Paket und Funkgerät, das eine permanente Verbindung
zum koordinierenden Einsatzleiter ermöglicht. Im Fall einer Trümmersuche
kommen noch ein Helm sowie Stirn- und Taschenlampe hinzu.
Bevor sich Mensch und Hund jedoch auf Rettungssuche begeben können,
müssen beide ein anspruchsvolles Ausbildungsprogramm absolvieren.
Hunde beginnen schon als Welpen mit einfachen Nachlaufspielen; hier wird
der gute Bezug zum Menschen hergestellt, der für die spätere
Rettung von Opfern unerlässlich ist. Die Ausbilder arbeiten dabei
mit dem Futter- und dem Spieltrieb der Tiere.
Geprüft wird in drei Stufen, erst nach Bestehen der Begleithundeprüfung
und der internen Vorprüfung ist der Vierbeiner zur Hauptprüfung
zugelassen. Aber auch die menschlichen Retter sind genau geschult. Zum
Repertoire gehören unter anderem eine Erste-Hilfe-Ausbildung und
das Erlernen der Eigensicherung. Sowohl Tier als auch Mensch müssen
ihren Lernstoff regelmäßig auffrischen und in Prüfungen
unter Beweis stellen.
Insgesamt dauert die Ausbildung eines Welpen zum guten Rettungshund etwa
zweieinhalb Jahre, je nach Charakter wird beurteilt, ob das Tier zur Suche
herangezogen werden kann. "Generell", so van Löchtern,
"eignen sich besonders mittelgroße Rassen zum Rettungshund,
kleine und sehr große Hundearten besitzen oft nicht die erforderliche
Laufkraft."
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